Wirtschaft

Der Siegeszug von Rosneft und die deutschen Netzwerke

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Jürgen Roth

Im Aufsichtsrat des Ölkonzerns, der sich mit zweifelhaften Methoden in den Besitz des Chordorkowski-Konzerns brachte, sitzt seit 2006 ein führender europäischer Investmentbanker. Es ist Hans-Jörg R. Er ist unter anderem Beiratsmitglied der Landeskreditbank Baden-Württemberg verbunden und Mitglied des Aufsichtsrats von EnBW Energie Baden-Baden. Er wird da häufiger mit Igor Setschin zu tun haben, einem der besten Freunde Putins.

Und dann ist da ja noch Matthias W., wahrscheinlich der einzige Deutsche in Russland, der in Multifunktion gleich mehrere Aufsichtsräte in strategisch wichtigen russischen Konzernen besetzt. Das sind Transneft , Rosneft und die Verbundnetzgas AG in Leipzig . Die wiederum ist ein Joint-Venture zwischen Gazprom und der Wintershall AG. Außerdem sitzt er in der staatlichen russischen Außenhandelsbank Vneshtorgbank VTB (hier wurde um ihn in den Aufsichtsrat zu wählen die Zahl der Aufsichtsräte erhöht) und im Verwaltungsrat der Gazprombank-Schweiz . Aber wie kommt er zu diesen Ehren?

Die Zeitung The Wall Street Journal berichtete, dass in den achtziger Jahren Wladimir Putin Hilfe bei seinen Aufklärungsarbeiten erhielt. Es sei Matthias W. gewesen, der heutige Chef von Nord Stream. Anfang der neunziger Jahre leitete er bereits die erste ausländische Bank in Sankt Petersburg, die eine Filiale eröffnen durfte. Die Dresdner Bank. Erteilt hatte die Lizenz der im Bürgermeisteramt für Lizenzen verantwortliche Wladimir Putin. Matthias W. war zu DDR-Zeiten auch Major der DDR-Staatssicherheit und sei mit Wladimir Putin zu dessen KGB-Zeit in Dresden befreundet gewesen. Das behauptet das Schweizer Bundesamt für Polizeiwesen in ihrem Analysebericht aus dem Jahr 2007. Richtig ist, dass er beim Ministerium für Staatssicherheit noch im Jahr 1989 ein Jahresgehalt von 25.680 Mark bezog und zu DDR-Zeiten von Stasi-Chef Erich Mielke mit der Medaille in Gold für treue Dienste in der Nationalen Volksarmee ausgezeichnet wurde.

In den achtziger Jahren hatte W. nicht weniger als zwanzig westdeutsche Quellen angeworben, die ihm Daten zur Raketen- und Flugzeugtechnologie übergaben. Nach Angaben von Frank W., einem ehemaligen Mitarbeiter von Matthias W., habe sich dieser schnell den Ruf eines Profis bei der Anwerbung westlicher Quellen erworben. Von ihm zusammengestellte Informationen belegen außerdem, dass viele Dossiers des MfS dem KGB zur Verfügung gestellt worden sind.

„Von W.s Stasi-Akten ist heute nicht mehr viel übrig: zwei Karteikarten zur Person, einige Listen für Ordensverleihungen und Beförderungen in denen er auftaucht. Ansonsten noch eine Art Inhaltsverzeichnis jener Papiere die W. als Agent der Hauptverwaltung Aufklärung im Westen besorgt hat, insgesamt 71.“

Gegenüber dem Journalisten David Crawford vom The Wall Street Journal erklärte 2005 ein Sprecher der Dresdner Bank (die inzwischen in die Commerzbank übergegangen ist), dass es trotz sorgfältiger Prüfung keine Hinweise gäbe, wonach Matthias W. für die Stasi gearbeitet habe.

Wladimir Putin und Matthias W. behaupteten übereinstimmend, sie hätten sich zu ersten Mal 1991 in Sankt Petersburg kennen gelernt. Ein Sprecher des Kremls erklärte gegenüber The Wall Street Journal, dass sich Matthias W. und Wladimir Putin erstmalig 1990 in Sankt Petersburg getroffen hätten und ihre Beziehung „rein geschäftlich“ gewesen sei.

Auch Bernhard W., der damalige Osteuropa-Vorstand und spätere Chef der Dresdner Bank erklärte, dass W. ihm gegenüber erklärte, er habe Putin „das erste Mal in seinem Leben 1991 kennen gelernt, als ich ihn nach Sankt Petersburg geschickt habe. Ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln.“ Bernhard W. von der Dresdner Bank hatte W. in Ostberlin als damaligen Referenten im Wirtschaftsministerium kennengelernt und den Eindruck, dass W. nicht abgeneigt schien, im Westen zu arbeiten.

Er war es auch, der W. im Jahr 1991 beauftragte, die Aktivitäten der Dresdner Bank in Sankt Petersburg vorzubereiten

„Er hat mich bei meinem ersten Besuch in Sankt Petersburg mit dem damaligen Oberbürgermeister Sobtschak und mit seinem Stellvertreter Putin bekannt gemacht, der zuständig für das Anwerben ausländischer Investoren war… Wir mussten keineswegs persönliche Beziehungen ausnutzen, um eine Banklizenz zu bekommen.“

Was die Beziehung zwischen Putin und W. angeht, gibt es auch andere Berichte. Es war Irene Pietsch, die das Buch „Heikle Freundschaften“ schrieb, in dem sie über ihre enge Beziehung sowohl zu Ludmila Putina wie Wladimir Putin selbst berichtete.

Ljudmila Putina habe ihr erzählt, dass Matthias ein alter Freund von Wladimir Putin aus den Dresdner Tagen gewesen sei. Sie arbeiteten in den achtziger Jahren zusammen.

„Sie war mir gegenüber sehr offen. Sie sagte, wir verstehen Ostdeutschland besser als Westdeutschland und Matthias W. und seine Freunde sind dafür ein Beispiel. Wir sind alle im gleichen System groß geworden. Sie sagte auch Wladimir Putin und Matthias W. arbeiteten für die gleiche Firma. Ich frage sie, ob sie das konkretisieren könne. Sie sagte Mathias arbeitete mit der Stasi und Putin mit dem KGB.“

Es war demnach eine enge Beziehung zwischen der Familie W. und Familie Putin, bei der Matthias W. sogar eine Art Großvater für Putins Kinder war. In Briefen von Ludmila Putina an Pietsch, zum Beispiel vom 5. Mai 1998, werden diese Aussagen bestätigt. Da schreibt Ludmila Putina:

„Wir haben mit W.s ein Kaffee besucht, dann haben wir unsere Wohnung besichtigt, Aber sie ist sehr schön geworden und hat den W.s gefallen. Gemeinsam waren sie auch im Winterurlaub 1996/1997 in Davos. In einem Brief von Ludmila schreibt sie, das Wladimir für sie viel getan habe und nun würden sie auch etwas für ihn tun müssen.”

Die Freundschaft zwischen den zwei so unterschiedlichen Frauen ging in die Brüche, als Putin zum Chef des FSB ernannt wurde. In einem ihrer letzten Brief schrieb Ljudmila Putina:

„Es ist furchtbar. Alles fängt von vorne an. Er hat mir damals in die Hand versprochen, nie wieder dorthin zurückzukehren, wo er herkam. Dabei hatte ich den Eindruck, dass er selber froh war, die Zeit beim KGB hinter sich gebracht zu haben. Warum verfolgt er nur seine Interessen und nimmt keine Rücksicht auf mich und die Kinder?“

Und sie sagte ihrer Hamburger Freundin, dass sie nun keinen Kontakt mehr haben dürfen.

Die Dresdner Bank war auf jeden Fall das Unternehmen das von der innigen Freundschaft zwischen Wladimir Putin und Matthias W. in besonderem Maße profitierte. Sie agierte später unter anderem als internationaler Koordinator, als Gazprom im Jahr 1996 zum ersten Mal Anteile an internationale Investoren verkaufte. Er soll auch mit dafür gesorgt haben, dass die Ruhrgas AG 2,5 Prozent Anteile an Gazprom übernahm. Aktiv war Matthias W., inzwischen war er Aufsichtsratsvorsitzender bei der Dresdner Kleinwort, einer Investmenttochter der Dresdner Bank in Moskau, beim Verkauf des Ölimperiums des mit zweifelhaften Methoden enteigneten Oligarchen Michail Chodorkowski. Das Finanzinstitut Dresdner Kleinwort in Moskau durfte das Unternehmen bewerten.

Matthias W. hat sich – gut zwei Stunden Autofahrt von Zug entfernt – einen Wohnsitz im Schwarzwald zugelegt. Aber nicht um sich zur Ruhe zu setzen. Schließlich sitzt er noch im Aufsichtsrat und Vorstand verschiedener russischer Unternehmen. Seit dem Jahr 2009 zeichnet er als Gesellschafter der MW Invest in Staufen und ist dazu Direktor einer Interatis AG in Zürich. Zweck der Gesellschaft sind Beratungsleistungen beim Kauf und Verkauf von Immobilien, Geschäftsanbahnung in osteuropäischen Ländern, sowie deren wirtschaftliche und rechtliche Prüfung.

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15 comments

rob_111 27. März 2014 at 19:15

??? also als erstes las ich “Jürgen Roth” dann den Artikel.. somit war klar das der Artikel nunmal von Jürgen Roth ist … was ist jetzt da das Problem???

Reply
Kene Ahnung 27. März 2014 at 17:31

@-Es ist furchtbar. Alles fängt von vorne an. Er hat mir damals in die Hand versprochen, nie wieder dorthin zurückzukehren, wo er herkam. Dabei hatte ich den Eindruck, dass er selber froh war, die Zeit beim KGB hinter sich gebracht zu haben. Warum verfolgt er nur seine Interessen und nimmt keine Rücksicht auf mich und die Kinder?-

Ist das nicht eine komische und fast sympatische Aussage über Putin?

Die Antwort ist, daß er in dieser Zeit bereits für höhere Funktionen vorgesehen worden sein soll, was auch der zeitliche Zusammenhang zeigt mit seiner Tätigkeit in der Präsidialverwaltung unter Jelzin.

Es gab begeisterte Stasis in der DDR und solche die man zur Zusammenarbeit pressen mußte.
(Und welche die Nein sagten und ihr Schicksal auf sich nahmen)

Welche sind Ihnen am unsympatischsten?

Aber was wollen Sie nun über die Vorteile persönlicher Verbandelungen mit der Familie Putin sagen?

Putins Judopartner, Putins Studienfreunde, Putins sonstwas leiten die größten Unternehmen Russlands.

Wen würden Sie auswählen, wenn Sie niemandem trauen können?

Stellenausschreibung, Bewerbungsgespräche, persönlicher Eindruck und dann ab in die höchste Stelle?

Sie haben Vorstellungen. Die, die ehrlich und gut waren als man selbst nichts war, sind die erste Wahl.

Und wo ist es denn anders?
In den USA? LOOOOOL
In Europa? LOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOL

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Seromann 27. März 2014 at 2:01

Es wird der Siegeszug des Us-amerikanischen Frackingerdgases sein.

Ich kann mir sogar die dahinterliegende perfide Strategie vorstellen, durch die Destabilisierung der Ukraine und der Eu-Russland-Beziehungen den europäischen Erdgasmarkt zu erobern.
Die Usa haben so langsam ein Überangebot an Erdgas, das sie auch verkaufen möchten. In anderen Ländern auch das umstrittene Fracking anwenden, was erstmal eine gewisse Zeit bräuchte?
Was wird dann aus deren Angebot, dass sie an den Mann bringen möchten?
Alles Zufälle?

Die allzu plumpen Provokationen, die Telefon-Leaks und die vorhersehbaren Reaktionen waren wie aus einem Skript.
Passt alles, wie Arsch auf Eimer.

Die Ukrainer, die Europäer und die Russen werden nur als Statisten, Verbraucher und Konkurrenten gesehen, sprich Absatzmarkt oder Konkurrenz. Oder verbindet die Usa eine besondere Liebe zur Ukraine?
Nein, nur nützliche Idioten, um den Gas-Konkurrenten Russland in Europa loszuwerden. Den höheren Preis werden wir demnächst zahlen.

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Orendel 26. März 2014 at 12:28

Guter Beitrag. Spannendes Thema, ganz spannendes Thema.

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blechtrommler 25. März 2014 at 22:45

@Kopieren und zensieren – aber wenn einer zensiert wird, sollen auch alle Replays auf den verschwinden – die, im luftleeren Raum gelassen, ganz schön blöd dastehen!?
Fliegt “Des Deppen Spion”, müssen auch alle Bezüge auf ihn getilgt werden!

Studier nochmals Winstons Tätigkeiten im Minilieb bei Huxley, Alexander Benesch!

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blechtrommler 25. März 2014 at 22:49

es war minitruth – ministerium für wahrheit, not -love

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Fudge 26. März 2014 at 0:16

Und es war Orwell, nicht Huxley. Blechbirne.

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blechtrommler 26. März 2014 at 2:00

sauber, fudge!

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blechtrommler 25. März 2014 at 20:36

Na Benesch, hast Dich wieder mit fremden Federn geschmückt

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blechtrommler 25. März 2014 at 20:53

Siehst Du, Du hast es auch nicht gemerkt (auch wenn der wirkliche Autorenname darüber steht – wie eine Überschrift, die genausowenig passend erscheint wie der ganze Text – ohne Bezugnahme auf den folgenden Text, ohne Nennung des Werkstitels). Man soll es auch nicht merken.

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abgelehnt83 25. März 2014 at 21:05

Du kommst doch auch nur noch zum meckern hierher; wer nicht in der Lage ist den Namen Jürgen Roth zu entziffern, der sollte lieber DSF nach Mitternacht konsumieren gehen…

Und ein – neuer – Troll wie “Des Deppen Spion” ist auch nicht das angepeilte Zielpublikum, warum redest du mit dem überhaupt? bitte nicht füttern

Was wollt ihr eigentlich alle noch hier? Ihr findet Recentr scheiße, SCHÖN! ja, dann geht doch zu den Desinfotainern wie Elsässer, KenFM, Hörstel und wie sie alle heißen! tschüß

MfG
das verkommene Subjekt

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blechtrommler 25. März 2014 at 21:52

es tut mir ja leid, Deine Illusionen laufend zu beschädigen; aber Du findest sicher schnell ein neues Herrchen, niedlich wie Du bist!!

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abgelehnt83 25. März 2014 at 21:56

Dein zickig-mädchenhaftes Geschreibsel kannst du dir sparen, verarschen kann ich mich auch alleine ganz gut und der letzte der den Benesch mein “Herrchen” genannt hat, war der Psycho TOS… interessante Entwicklung bei dir

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Udo 25. März 2014 at 19:25

Das ukrainische Innenministerium hat am Dienstag bekannt gegeben, dass Musytschko bei einem nächtlichen Sondereinsatz in der Westukraine von der Polizei erschossen worden sei. Ein ehemaliger ranghoher Mitarbeiter des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU teilte RIA Novosti mit, dass Musytschko auf Befehl von SBU-Chef Valentin Naliwajtschenko umgebracht worden sei und dass Naliwajtschenko vor der Aktion mit einem CIA-Agenten in Kiew zusammengetroffen sei.

„Das Ziel des Einsatzes war nicht die Festnahme, sondern die Tötung Musytschkos“, so der Sprecher weiter. Der rechtsradikale Politiker habe mit seinen jüngsten Ausschreitungen die neue Regierung in Kiew kompromittiert und man habe beschlossen, ihn von der politischen Szene verschwinden zu lassen. „Es ist kein Geheimnis, dass (der SBU-Chef) Naliwajtschenko der Hauptpartner der US-Geheimdienste ist und bei ihnen großes Vertrauen genießt“, so der Sprecher weiter. Er schloss nicht aus, dass weitere solche Einsätze möglich seien. „So hat niemand in Kiew (den Chef des Rechten Sektors Dmitri) Jarosch mehr nötig.“

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Signorita 25. März 2014 at 19:16

Aber du weisst schon das nun die Verträge mit Exom, Shell und ENI vor der Krim neu verhandelt werden müssen?

Von dem her ist klar wieso alle so interessiert waren in der Ukrainie wer die Vertäge an wen unterzeichnet. Oder glaubst du einer dieser korrupten Milliardäre einen Vertrag unterzeichnen ohne Provision? Das ist nun vorbei, egal wie du die Russen hasst.

Hier wird das ziemlich genau Beschrieben, wie das aussieht http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/03/13/exxon-und-shell-kaempfen-um-ukrainische-oel-und-gasfelder/

Warum hast du nie darüber berichtet? Oder habe ich eine Sendung verschlafen? Es geht doch nur um das Öl.

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