Alexander Benesch

Russland ist uns näher als es den meisten bewusst ist. Nicht nur die ehemaligen Staaten des Warschauer Pakts zwischen der EU und Russland sind chancenlos gegen das weit zurückreichende KGB-Netz und die wirtschaftliche Kriegsführung, auch die östlichen EU-Mitgliedsstaaten sind Einfallstore nach Europa. Der Energiesektor so manchen Landes ist nahezu vollständig oder komplett abhängig von russischen Gas- und Öllieferungen. Die alte polnische Führung, die Russland vor wenigen Jahren im Weg stand, verstarb bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz in Smolensk. Drei weitere Staaten dienen dem Netz aus russischen KGB-Apparatschniks, die es dank Westbanken und Ausbeutung des eigenen Landes zu Milliardären gebracht haben, als Brückenköpfe: Deutschland mit seinen DDR-Altlasten und besten Connections, Italien mit dem Putin-Amigo Berlusconi und der starken kommunistischen Unterwanderung, sowie Österreich, wo Oligarchengeld umgeschlagen und sich in große Firmen eingekauft wird.

Das Ziel ist eine Vereinigung von Russischer Föderation und Europa und die Etablierung russischer Zustände bis hin nach Portugal. Nach dem sogenannten “Fall” der Sowjetunion – eigentlich eine sorgfältig geplante Umstrukturierung und lukrative Öffnung gegenüber dem Westen – kämpften die gierigen Tyrannen aus KPdSU und KGB auch gegeneinander um die besten Posten in der neuen Ordnung: Jeder wollte aufsteigen vom mäßig wohlhabenden Sowjet-Apparatschnik zum Multimilliardär mit Luxusanwesen, Privatjets und 50.000$-Uhren am Handgelenk. Also gab es eine intensive Phase des Hauens und Stechens, in der Regel mit der Hilfe von Mafia-Gruppen und Geheimdiensten, um die Kontrolle über ehemalige Staatsindustrien. So mancher blieb dabei auf der Strecke, starb bei Autobomben, verließ Russland oder versuchte in Großbritannien Geld aus seinen Widersachern herauszuklagen.

Einer der einflussreichsten russischen Oligarchen ist der Aluminium-Raubbaron Oleg Deripaska, der es zu geschätzen 20 Milliarden Dollar brachte. Seine Verbindungen nach Deutschland und die Vorwürfe über Mafia-Verbidnungen sind geradezu gruselig, weswegen ihm auch die Behörden in Baden-Württemberg drankriegen wollten.

Zu Deripaskas besten Freunden gehört der Rothschild-Intimus Roman Abramowitsch. Deripaska ist mit Paulina Jumaschewa verheiratet, deren Vater Walentin Jumaschew ehemaliger Chef der Präsidialverwaltung von Jelzin und in zweiter Ehe mit Tatjana Djatschenko, einer Tochter Boris Jelzins verheiratet ist. RUSAL ist inzwischen zum weltgrößten Aluminiumkonzern aufgestiegen.

Der Russland-Experte Jürgen Roth schreibt:

Im Jahr 2007 erwarb Deripaska einen Anteil von 9,9 Prozent am Baukonzern Hochtief. Zuvor hatte er 30 Prozent am österreichischen Baukonzern Strabag erworben. “In Moskau will Hochtief unter anderem ein Stadion für den Fußballverein Spartak und ein neues Flughafen-Terminal bauen.”

Deripaska kennt beispielsweise den deutschen Top-Unternehmer Klaus Mangold, der ehemalige Daimler-Vorstand der in den Aufsichts- und Beiräten von unter anderem E.ON, Continental und der Bank Rothschild GmbH sitzt.

Foto: Klaus Mangold

Mangold war jahrelang Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, hat gute Verbindungen zu Vladimir Putin, ist russischer Honorarkonsul in Stuttgart und forderte beim St. Petersburg International Economic Forum exakt jene Schritte hin zu einer europäisch-russischen Wirtschaftsregierung von Lissabon bis Wladiwostok, die wir bereits u.a. von Putin gehört haben. Mangold lamentiert, dass Europa sich noch nicht genügend in Richtung Russland orientiert und möchte u.a. ein stark vereinfachtes Visumverfahren, weitaus offenere Grenzen für russische Produkte, ein “Kooperations- und Partnerschaftsabkommen” sowie eine Konzentration von Industrie.

Klaus Mangold saß früher im Aufsichtsrat des österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna, der zusammen mit der russischen Sberbank und dem Autohersteller Gaz dabei war, den deutschen Autohersteller Operl zu übernehmen. Interessantes Detail: GAZ gehört mehrheitlich Oleg Deripaska. Magna Electronics wurde im Laufe der Jahre unter der Leitung von Frank Stronach eines der größten Unternehmen der Autozulieferindustrie Nordamerikas mit Milliardenumsatz. Stronach hatte weitere große Pläne mit der Sberbank und Deripaska. Siegfried Wolf, der ehemalige Geschäftsführer von Magna, wechselte 2010 zum russischen Autokonzern GAZ. Wolf soll nach den Wünschen von Stronach österreichischer Bundeskanzler werden. Die neue Partei Team Stronach holte aus dem Stand immerhin 10% der Stimmen in Österreich.

Kaum ein Konzern ist in Österreich legal so stark mit Steuergeldern gefüttert worden wie Magna. Stronach, der selbsternannte Patriot, brachte sein Vermögen ins Schweizer Steuerparadies Zug, wo auch viele reiche Russen ihr Geld bunkern und Briefkastenfirmengeflechte beheimaten. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wollte vor wenigen Jahren Deripaska drankriegen und ließ das Büro im Honorarkonsulat  der Russischen Föderation Stuttgart durchsuchen, Computer und Unterlagen des Sekretariats von Mangold beschlagnahmen. Was die LKA-Beamten fanden, ist geheim. Niemand traut sich darüber zu sprechen.