Alexander Benesch

Die radikalen Anarchokapitalisten sägen für das Establishment an den Fundamenten der Republik. Selbst das Mises-Institut, dessen Namensgeber klargestellt hatte dass Liberalismus mit Anarchie gar nichts zu tun hat und die Republik notwendig sei, ist inzwischen von Anarchisten durchzogen. Viele nicht-prominente Anhänger der Anarcho-Ideologie waren vorgestern noch Sozialisten oder völlig unbedarft.

Der Guru Hans-Hermann Hoppe kündigt das Kommen des neuen aristokratisch-kapitalistischen Herrenmenschen an, und die Sektierer betrachten sich als die Revoluzzer-Ersatz-Jesusfigur John Galt aus Ayn Rands narzisstischem Roman „Atlas Shrugged“. Hoppe predigt, all jene hassen zu lernen, die in irgendeiner Form die Republik wollen, und dass die Revolutionsbewegung Märtyrer braucht. Solche gibt es beispielsweise in Form von Adam Kokesh.

Ob nun gefordert wird, die Republik schnell zu beseitigen oder stückweise über den sog. „Gewährleistungsstaat“ oder über „individuelle Sezession“, immer wird das Modell der Privatrechtsordnung mit verblüffend offensichtlichen und gigantischen Konstruktionsfehlern beworben. Die grandiosesten Irrtümer ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

„Die privaten Sicherheits- und Justizkonzerne halten sich an das Grundkonzept namens Privatrechtsordnung

Man geht in den gedanklichen Modellen, besser gesagt in den Luftschlössern, irrtümlicherweise davon aus dass die Menschen und privaten Sicherheits- und Justizkonzerne sich nach dem Kaputtschlagen der Republik an das Grundkonzept names Privatrechtsgesellschaft halten werden. Die Fantasievorstellung einer bunten Privatrechtsordnung hat eine ungeschriebene Verfassung mit toll klingenden Grundrechten, aber niemanden der außerhalb vom profitgetriebenen Markt steht um diese ungeschriebene Verfassung zu verteidigen.

In einer Umfrage von Rasmussen aus dem Jahr 2008 sprachen sich nur 53% aller Amerikaner für den Kapitalismus aus, 27% waren sich nicht sicher und 20% waren für den Sozialismus. Würde man die Republik erdolchen, und die Menschen hätten hunderte oder tausende verschiedene Rechtsordnungen zur Auswahl, wäre das Chaos perfekt. Die meisten Menschen würden sich für einen Sicherheitskonzern entscheiden, der die eigene Ideologie oder Religion vertritt. Fast alle Ideologien und Religionen sind aber im Kern intolerant und irrational. Fällt die Republik als Kontrollorgan weg, würden alle möglichen Gruppen anstreben, eigene unfreie Staaten zu etablieren und in den restlichen Gebieten, die man noch nicht kontrolliert, Satelliten zu haben. Üblich ist es auch für ideologische und religiöse Gruppen, einen gefährlichen Universalanspruch auf die Beherrschung des Planeten zu haben. Den vielen Kultmitgliedern ist es egal, dass das eigene Vorgehen fremde Menschen abschreckt und dies marktwirtschaftliche Nachteile mit sich bringt. Der Kontrollmechanismus Markt versagt hier eindeutig. Menschen entscheiden oft nach emotionalen Motivationen, nicht rationalen.

Nur weil eine Republik abgeschafft wird, heißt das nicht dass danach das Konzept Staat in den Köpfen verschwunden ist. Die Leute werden neue, ihnen genehme Staaten fordern. Außerdem können fremde, bereits existierende Staaten sich in einer Privatrechtsordnung breitmachen und zunächst auf der privatwirtschaftlichen Schiene ihren Machtbereich ausdehnen.

„Private Sicherheitskonzerne werden gegenüber Menschen abseits ihrer Kundschaft fair sein“

Menschen wollen meistens kein Recht, sondern nur Recht bekommen. Gruppenmoral ist ein Riesenproblem. Wenn sich unweigerlich Sicherheitskonzerne mit religiöser, rassischer und/oder ideologischer Linie entwickeln, werden sie im Rahmen ihrer strategischen Überlegungen ihr Möglichstes tun, um ihre eigenen Kunden abzuschirmen vor gruppenfremden Menschen: Spuren vernichten und abschirmen sind zwei hervorragende Methoden dafür. Wie will der Geschädigte mit begründetem Anfangsverdacht an mehr Beweise gelangen, wenn das Sicherheitsunternehmen des Täters Spuren beseitigt hat, Meineid-Zeugen aufmarschieren lässt und es nicht erlaubt, dass eine Durchsuchung und Verhöre stattfinden?

Es geht nicht nur um individuelle Diebstahlsverbrechen aus monetären Motiven, sondern auch um religiös und ideologisch motivierte Gruppenverbrechen. Nochmal: Den vielen Kultmitgliedern ist es egal, dass das eigene Vorgehen fremde Menschen abschreckt und dies marktwirtschaftliche Nachteile mit sich bringt.

Das einzige Kontrollinstrument ist für den einzelnen in der Privatrechtsordnung der eigene Geldbeutel. Wenn fremde Gruppen mit ihren Rechtsordnungen einen schlechten Ruf haben, kann man sich natürlich entscheiden, mit solchen Leuten keine Geschäfte mehr zu machen. Dummerweise kann einen das sehr stark einengen und zu einer stark segregierten Gesellschaft führen. Der von der eigenen Privatrechtsgruppe kontrollierte Bereich kann recht klein sein und so ist man genötigt, doch Geschäfte mit Mitgliedern aus krummen fremden Privatrechtsgruppen zu machen oder Geschäfte mit dem Ausland zu machen, was zu neuen Gefahren führt. Wenn man mit fremden Staaten handelt oder mit Firmen in fremden Staaten, wer ist dann für die Justiz zuständig? Wie einigt man sich bei Problemen? Letztendlich ist klar, dass viele faule Kompromisse geschlossen werden würden und häufig die Justizkonzerne und andere Stellen sich nach Kriterien „einigen“ die sich ständig ändern können und mit richtiger Rechtssprechung nichts zu tun haben.

Stellen sie sich vor, was wir heute für ein Chaos mit Autoversicherungen hätten, wenn es keine Republik und keine unabhängige Justiz mehr gäbe. Stellen sie sich vor, ein einflussreicher Mullah fährt ihnen ins Auto und verletzt sie. Er hat bei seinem muslimischen Justizversicherer einen ultra-teuren Tarif und ruft sogleich Leute herbei, die die Spuren beseitigen. Versuchen sie zu filmen, holen die sich einfach ihre Aufzeichnungen und verprügeln sie ggf. noch. Sie können sich bei ihrem eigenen Justiz-Versicherer beschweren, der kann aber ohne Beweise nicht viel machen und kann sich auch keine weiteren Beweise holen. Selbst wenn sich schon mehrere Kunden über diesen Mullah und ähnliche Kunden des muslimischen Justizdienstleister beschwert haben, so hat dummerweise ihr non-muslimischer Versicherer keinerlei Interesse, hier einen Skandal loszutreten, weil zum Beispiel eigene Großkunden wichtige Geschäfte machen mit Kunden des muslimischen Versicherers. Außerdem wird einfach gelogen, sie hätten bei dem Zusammenstoß den Propheten Mohammed aufs Übelste beleidigt. Da geht es um viele Arbeitsplätze, Öl und mögliche kulturelle Spannungen, da interessiert man sich nicht dafür, ihnen als kleines Opfer Gerechtigkeit zu liefern. Wenn sie sich dann ihre Republik zurückwünschen, haben sie keine Chance mit dem Unterfangen. In ihrem Vertrag mit ihrem Versicherer steht nämlich geschrieben, dass es streng verboten ist und hart bestraft wird, konkrete Bestrebungen vorzunehmen um die Republik wiederherzustellen. Willkommen in der Privatrechtshölle ohne Ausweg, sie wurden aufs Bitterste verarscht. Bedanken sie sich bei den Intellektuellen die sie da reingetrieben haben.

„Private Sicherheitskonzerne würden gegenüber ihrer eigenen Kundschaft fair und hart sein

Die Vertreter einer Privatrechtsordnung unterstellen immer, dass private Sicherheitsunternehmen auch gegenüber ihren eigenen Kunden hart und fair durchgreifen würden. Der Kunde müsse ja einen langen, langen Vertrag unterschreiben wo er sich verpflichtet, schön brav zu sein.

Wenn aber all die anderen religiösen und ideologischen Gruppen mitsamt deren Versichererm ständig unfair sind, dann fordern bald auch die Kunden des anständigeren Sicherheitsdienstleisters von selbigem umfangreiche krumme Schutzmaßnahmen. Das ist einfach der Selbsterhaltungstrieb. Der Ehrliche ist in einer rein profitorientierten Justizordnung einfach immer der Dumme. Natürlich gilt auch hier, dass fremde Gruppen irgendwann auch misstrauisch werden und auf Abstand gehen.

Begeht man ein kleineres Vergehen, wie etwa eine an sich harmlose Beleidigung oder das Ausspannen eines Ehepartners, an einem gruppenfremden Menschen, der beispielsweise bei einem ultrachristlichen Sekten-Unternehmen versichert ist, ist man unter bestimmten Umständen ziemlich am Arsch. Denn wenn die Fanatiker glänzende Geschäfte machen mit deiner Gruppe und Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, dann hat man schnell die eigene Gruppe gegen sich. Sie haben zwar nur eine harmlose Beleidigung ausgestoßen, trotzdem einigen sich die beiden Versicherer auf eine Strafe wie Auspeitschen oder gleich Steinigen.

Man wäre in der Privatrechtsgesellschaft ständig sehr paranoid, denn man muss immer einschätzen können, wie die unzähligen unterschiedlichen, sich ständig wechselnden Loyalitäten und Rechtssprechungen gerade aussehen. Wie wollen sie sich notfalls gegen ihren eigenen kriminell handelnden Versicherer wehren wenn es keine unabhängige Justiz mehr gibt? Auswandern? Das ist kein Recht sondern Mist.

Geht es um Zwistigkeiten innerhalb einer Gruppe haben sie vielleicht noch Glück, wenn es um kleinere Sachen geht. Ansonsten haben sie Pech, da zählen Geld und Seilschaften.

„Die Sicherheit wird viel billiger in der Privatrechtsgesellschaft werden“

Ganz im Gegenteil. Lesen sie den Artikel „Die explodierenden Sicherheitskosten und der Absturz des Lebensstandards beim Wegfall der Republik

„Das Kontrollmittel namens Geldbeutel reicht aus, um böse Konzerne abzustrafen“

Wie oben bereits erklärt, setzen sich diejenigen Interessen durch, hinter denen mehr Geld steckt und mehr andere Druckmittel. Der ideologisch und religiös stärker geprägte Mensch schert sich nicht um die offenen und versteckten Kosten und andere negative Folgen seines irrationalen Handelns, er sieht nur die Gruppenmoral und die Gruppenziele und die Verheißungen. Das ist tödlicher Sprengstoff, keine Markt-Utopie. Freuen sie sich auf Vertuschungen, heimliche Attentate, Medienlügen und eine Rückkehr ins Mittelalter.

Ohne Republik, mit unzähligen Sicherheits- und Justizunternehmen, muss der Bürger unzählige Presseartikel, TV-Sendungen und Bücher konsumieren, um irgendeine auch nur ansatzweise informierte Kundenentscheidungen zu treffen über das Handeln einer Großzahl an völlig unterschiedlichen Sicherheitsunternehmen. Selbstverständlich kaufen sich die Sicherheitsdienstleister genehme Darstellungen in den Massenmedien und alternativen Medien, was das Informations-Chaos vergrößert. Entweder der Bürger muss für seine Recherche enorme Zeit aufwenden, die er lieber in seinen Beruf und ins Geldverdienen stecken würde, oder er entscheidet sich wegen dem Zeit- und Konkurrenzdruck auf dem Billiglohn-Arbeitsmarkt (wg. der starken Zuwanderung) hingegen dafür, anhand oberflächlicher Kriterien seinen Sicherheitsdienstleister auszusuchen, was es dem Konzern leichter macht, zu täuschen und die Preise hochzutreiben. Der Kunde geht dorthin, wo es “am wenigsten schlecht” ist. Die Anbieter bieten nur dann halbwegs vernünftige Preise, wenn man gleich einen 12-Monats-Vertrag unterschreibt. Die ach so tollen Möglichkeiten des Kunden in der Privatrechtsgesellschaft, mit seinem Geldbeutel zu wählen und böse Konzerne abzustrafen, verlieren sich in dem unübersichtlichen Dschungel, der expandierenden Komplexität und dem Zeitdruck.

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