Alex Benesch

Von rund 265$ blitzartig runter auf 130$, dann stabilisiert auf 180$, dann wieder runter auf 60$. Diejenigen, die die digitale Währung als reines Spekulationsobjekt behandeln und dort investiert haben, beschwichtigen mit dem Hinweis, eine Kurskorrektur nach dem kometenhaften Anstieg sei zu erwarten gewesen und weitere traumhafte Gewinne würden bestimmt kommen. Was sollen sie auch anderes öffentlich erklären, schließlich hängt der Kurs ihres Investments alleine von dem öffentlichen Vertrauen in selbiges ab.

Bislang gibt es keine Meldungen über einen Hack von Bitcoin-Wechselstuben, wo die digitale Währung gehandelt wird; solche Fälle gab es in der Vergangenheit immer wieder und konnten den Wert urplötzlich absacken lassen.

UPDATE 3: Mt. Gox, die größte und wichtigste Wechselstube für Bitcoins, hat den Handel für mindestens 10 Stunden wegen der Panikverkäufe eingefroren. Um 17:24 Uhr MEZ lag der Kurs bei 43 € im Vergleich zu 200€ vom Vortag.

Die mysteriösen Früheinsteiger bei Bitcoin sitzen auf mindestens 6 Millionen Bitcoins, die vor wenigen Jahren ohne öffentliche Aufmerksamkeit noch spielend leicht zu erzeugen waren. Würde man zu viele davon zu plötzlich auf den Markt werfen um sie gegen Dollars zu tauschen, stürzt der Bitcoin-Kurs zu schnell ab und es folgen Panikverkäufe gewöhnlicher Spekulanten plus noch stärkeres Absacken. Ein dicker Profit käme für die Insider trotzdem dabei heraus, aber die Melkkuh würde dabei draufgehen.

Stoßen die Früheinsteiger hingegen konzertiert eine genau geschätzte Anzahl gebunkerter Coins ab, fällt der Kurs auf einen Wert der von den meisten als Kurskorrektur und kein Anlass zur Panik interpretiert wird. Dies hätte außerdem den lukrativen Effekt, dass gewöhnliche Spekulanten erneut ihre Dollars und Euros in Bitcoins investieren, weil man jetzt günstiger kaufen und später teurer verkaufen will.

Auf diese Weise ließe sich die Kuh fortlaufend melken. Falls die Venture Capital-Technologie-Frontfirma In-Q-Tel der CIA, mit der sich die karrierebewussten Bitcoin-Entwickler getroffen hatten, tatsächlich den Turbo-Booster liefert wie einst bei Google, ließe sich für Insider sehr viel mehr Geld machen. Irgendwo muss dieses natürlich herkommen und dieses irgendwo ist die Tasche der Normalo-Spekulanten.

Es tauchen allerdings neue Konkurrenten auf wie litecoin, die die möglichen Gewinne mit Bitcoins verwässern können. Ein weiteres Problem ist Hacking: Wenn Wechselstuben mit normalen DDoS- oder SQL-Injection-Methoden angegriffen werden können, erschließt sich die Möglichkeit von Währungskriegen via Hacks. Ein litecoin-Spekulant hat den Anreiz, die Bitcoin-Infrastruktur anzugreifen und umgekehrt.

Sicherheitsexperte Ben Laurie erklärte, dass einzelne Player oder eine Gruppe mit der Mehrheit der Rechenpower in dem Bitcoin-Netzwerk die kollektiven Transaktionen nach Belieben umschreiben und sich selbst begünstigen könnte. Man verlässt sich bisher darauf, dass das Wachstum des Netzwerks die Möglichkeit einer einzelnen Node übersteigt, die Mehrheit der Rechenpower zu bekommen. Allerdings handhabt deepbit, ein einzelnes Mining-Kollektiv, bereits ein Drittel aller Transaktionen.

Zwei Online-Wechselstuben für die digitale Krypto-Währung Bitcoin wurden erst wieder durch Hacker-Angriffe verwüstet. Mt. Gox verkündete die Misere via Twitter, bei Instawallet heißt es auf der eigenen Webseite, der Dienst sei auf unbestimmte Zeit eingestellt und Guthaben oberhalb von 50 Bitcoins nur in Einzelfällen erstattet werden können.

Erst Anfang März 2013 verschafften sich Kriminelle mit einer Mischung aus Manipulationstechniken und Hacking Zugang zu den DNS-Servern der Wechselstube Bitinstant und erbeuteten Bitcoins im Gegenwert von 12.000$.
Vergangenen September traf es Bitfloor; jemand brach in die Server-Infrastruktur ein und verschwand mit 24.000 Bitcoins im Wert von einer viertel Million Dollar. Der Wechselstube fehlten folglich genügend Rücklagen um all die Guthaben zu decken.

Im März 2012 war die Trading-Plattform Bitcoinia an der Reihe, erleichtert zu werden, und zwar um rund 46.000 Bitcoins im damaligen Gegenwert von 228.000$. Beim heutigen Bitcoin-Kurs könnten sich die Diebe wahrscheinlich für den Rest ihres Lebens zur Ruhe setzen. Monate später klagten die USer von Bitcoinica auf Entschädigung im Umfang von 460.000 Dollar.

Im Juni 2011 vermutete man abtrünnige Hacker der LulzSec-Gruppe hinter dem Diebstahl von umgerechnet 9 Millionen Dollar an Bitcoins von Mt. Gox. Es wurde spekuliert, dass eine gewöhnliche Attacke vom Typ SQL-Injection zum Einsatz kam. Ein Hacker versuchte auf einen Schlag 400.000 Bitcoins, damals 6% der gesamten Geldmenge, zu verkaufen, was den Wert von Bitcoins auf beinahe Null herunterdrückte.

Es ist ironischerweise die Stärke von Bitcoin-Transaktionen, dass sie nicht umkehrbar, nicht rückbuchbar und wegen der Verschlüsselung nicht rückverfolgbar sind. Diebe lassen sich dadurch kaum hinterher schnappen. Inzwischen kursiert auch Malware im Netz die automatisch Bitcoins abgreifen soll. Als Reaktion möchten die Bitcoin-Entwickler die Verifizierung von Transaktionen aufsplitten auf mehrere Server und mehrere Nutzergeräte wie beispielsweise PC und Smartphone. Nur wenn alle kompromittiert werden, sollen Dienstähle möglich sein.

Generell wird empfohlen, alle Sicherheitsregeln einzuhalten, am meisten gefährdet sind, wie bei anderen Währungen auch, diejenigen Nutzer die sich von zuviel Bequemlichkeit in der Nutzung einlullen lassen.