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Big Brother soll Elektrogeräte abschalten bei Engpässen im Stromnetz

Alex Benesch

In Großbritannien wird ein Gesetzesvorschlag diskutiert, laut dem Elektrogeräte für den Haushalt zukünftig in der Lage sein müssen, mit einem Datennetzwerk zu kommunizieren und sich abzuschalten, falls Engpässe im Stromnetz auftreten wegen Wind- oder Sonnenmangels.

Die Legislatur hat bereits den Support einer der wichtigsten EU-Einrichtungen für Energie. Die Stromversorger würden Millionen an Extra-Gewinnen einstreichen da mit einem solchen System nicht Notstromgeneratoren betrieben oder Stand-By-Kraftwerke hochgefahren werden müssten.

Das European Network of Transmission System Operators for Electricity (ENTSO-E) hat das 63-seitige Dokument ausgearbeitet und an die EU-Komission weitergeleitet. Falls das EU-Parlament das Ganze innerhalb von wenigen Monaten absegnet, wären Hersteller gezwungen ihre Geräte mit der neuen Technik auszustatten und die Aufpreise im zweistelligen Eurobereich an die Kunden durchzureichen.

In Großbritannien kann bereits jetzt bei Netzschwankungen Industriefirmen der Strom gekappt werden, worauf eine Kompensation zu zahlen ist.

Die Versorgung mit Strom, Wasser und Gas galt bislang als relativ sicher, weil die Infrastruktur nicht auf gewöhnliche Weise über Server mit dem Internet verbunden ist. Der Stuxnet-Virus demonstrierte hingegen wie sich programmierte Würmer in Industrieanlagen ausbreiten und nach einem vorbestimmten Muster die Systeme sabotieren können. Eine weitere, immer mehr ins Blickfeld rückende Sicherheitslücke, ergibt sich durch die flächendeckende Verbreitung sogenannter “smarter” Stromzähler, die über Funk Informationen senden und Empfangen. Anstelle einer Person die persönlich in einem Haushalt den Zählerstand abliest, funkt der Smart Meter nicht nur den Gesamtwert der ermittelten Kilowattstunden an den Stromanbieter, sondern auch den Verbrauch von einer Viertelstunde zur nächsten.

So lässt sich der Bedarf einerseits besser verstehen und berechnen, andererseits ließen sich mit diesen Informationen auch weniger angenehme Dinge treiben, beispielsweise die Errichtung einer auf Kante genähten, computergeschätzten Versorgungsmatrix. Treten unvorhergesehene Faktoren auf und ändern sich plötzlich die Verhaltensweisen, kann die Versorgung ins Schlingern geraten.

Außerdem lässt sich aus den Strominformationen interpretieren, wann jemand zu Hause ist und wieviele Geräte betreibt.

Wired Magazine berichtete, dass moderne Smart Meter auch durch einen Befehl via Funk die Stromzufuhr unterbrechen können. Diese Funktion könnte nicht nur bei unbezahlten Rechnungen aktiviert werden, sondern auch um notfalls Rationierungen und zugeteilte Strombudgets durchsusetzen.

Die Übertragung der Signale erfolgt teilweise unverschlüsselt, teilweise schwach verschlüsselt. Mit 500 € an Ausrüstung können Signale in beide Richtungen gefälscht werden. IT-Experte Bruce Schneier berichtete über ein blühendes Schmiergeldsystem in dem sich Mitarbeiter der Stromfirmen bezahlen lassen um die Verbrauchsdaten nach unten zu fälschen. Gleichzeitig könnten Hacker mit finsteren Absichten einen gefälschten Trenn-Befehl senden um Haushalte und Firmen abzukoppeln.

4 Comments on this Post

  1. Nicht ganz billig, aber folgendes dazwischen schalten, könnte das Anwesenheits und Verbrauskontrolle erschweren und das man ohne Saft da steht, wenn jemand es will?

    http://www.kolibri-ag.com/de/produkte.html

    • Auf der Seite gefunden:
      “Dass dies immer dringlicher wird, beweist eine Studie des Beratungsunternehmens Ecofys. Danach führt die zunehmende Überlastung von Hochspannungsleitungen und Umspannwerken in Deutschland immer öfter zur Abschaltung von Windkraftanlagen. Im Jahr 2010 standen mehr als 100 Tage bundesweit 1.100 Windkraftanlagen ganz oder teilweise still. Und diese Zwangsstopps werden nach Expertenansicht deutlich zunehmen. (Quelle: Ecofys; Abschätzung der Bedeutung des Einspeisemanagements nach EEG 2009; Dipl.-Ing. Jens Bömer, Oktober 2011)

      So werden große Summen in Erneuerbare Energien investiert, ohne dass der daraus regenerativ gewonnene Strom tatsächlich genutzt wird.”

      http://www.kolibri-ag.com/de/kolibribigblock.html

  2. Specht

    “Jailbreak Already Making Google Glass Evil”

    http://www.youtube.com/watch?v=sTVGns2Zs-I

  3. Hanno_Hoichler

    Meiner Auffassung nach ist Peak-Öl zusammen mit der Weltbevölkerungsexplosion ein bedeutendes Problem.
    So befindet sich die Nordseeerdölförderung Englands schon seit 2000 im Niedergang. England ist mittlerweile Nettoerdölimporteur. Genauso wie Amerika und China. Europa und insbesondere Deutschland, die Schweiz und Österreich sowieso.

    http://www.youtube.com/watch?v=VhqHf2FzhO4
    (must see!)
    ist ein auch formal vorbildlicher Vortrag von Daniele Ganser zum oben erwähnten PeakÖl. Der Vortrag ist ein beeindruckender Ausblick auf die weltweite wirtschaftliche Entwicklung und speziell für Investoren interessant.
    Zugegeben, es ist sogar wahrscheinlich, dass Erdöl nichtfossilen Ursprungs ist (Carbonatseen auf dem Saturnmond Titan), und sich die Lagerstätten sehr laangsam (die Betonung liegt auf sehr) wieder auffüllen, aber vom großen Bild her, stimmt die Argumentation. Die Nordseeölförderung geht nachweislich dramatisch richtung Null.

    Die Energiewende ist also ein Thema, das leider von der politischen Administration gezielt kontraproduktiv angegangen wird. Deserttec und Smartmeter.

    Der Smartmeter verbraucht elektrische Energie.
    1 Watt 360 Tage lang sind 8,6kWh. Das sind bei 0,25Euro/kWh 2,16 Euros Kosten pro Jahr.
    Mein AVM-Phone-Router hat eine Leistung von 7 Watt. Also kostet mich der Betrieb des Routers jedes Jahr 15,12 Euros.
    Setzen wir mal 30 Mio. Smartmeter a 7 Watt in der BRD voraus, so sind das 210 MW zusätzliche Grundlast allein für die Smartmeterclients. Also ein zusätzliches Kernkraftwerk.

    Was wir bräuchten, sind Pumpspeicherkraftwerke (die aktuell systematisch behindert werden), Ein Leitungsnetz nach Norwegen um die gigantischen Wasserkraftreserven von NorskHydro (meine Empfehlung für das Aktiendepot) anzuzapfen und natürlich irgendwelche Energiespeicher, wie die oben genanten EisenLithiumPolymerakkus, so sie denn eine lange Nutzungsdauer haben. Ich kann dazu nichts sagen.
    Dass all dies nicht gemacht wird, ja das Problem nicht mal kommuniziert wird und die Leute absichtlich in die falsche Richtung geschickt werden, zeigt, dass die politisch Verantwortlichen, die Wirtschaft gegen die Wand fahren wollen. Da gibt es für mich absolut keinen Zweifel mehr, denn mit Politikerblödheit ist das alles nicht mehr zu erklären.

    Gruß
    Hanno

    P.S. Jeder ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und hat die Folgen seiner Entscheidungen selbst zu tragen.

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