Jen Alic (OilPrice.com)

Der Angriff auf die von BP betriebenen Gasanlagen in der algerischen Sahara war eine spektakuläre Lektion für die Energiewirtschaft: Auch High-Tech-Sicherheitsmaßnahmen halten die Kämpfer aus der Sahelzone nicht unbedingt auf. Es werden wohl zusätzliche Milliarden ausgegeben um die Energieinteressen westlicher Länder in der Region zu sichern. Die kleineren Player aus Amerika und Kanada waren zuvor noch so waghalsig, um Risiken in solch instabilen Regionen einzugehen. Ihre Märkte werden diese Waghalsigkeit wohl nicht mehr allzu lange mitmachen.

Ein teurer Exodus an westlichen Arbeitern aus dem Energiesektor startete unverzüglich, und das nicht nur in Algerien. Die Kosten für Sicherheit werden steigen und folglich auch die Versicherungsbeiträge. Projekte werden verzögert werden und die Produktion wird zeitweise aufgehalten.

Der Vorfall bedeutet natürlich mehr Business für die Sicherheitsdienstleister, eigentlich eine Verschwendung wertvoller Ressourcen. Es hieß, die Sicherheit von Amenas sei der einer Armeekaserne überlegen gewesen. Ausländische Öl- und Gasfirmen brauchen eine strategische Sicherheitsanalyse, die nur sehr schwer zu bekommen ist und über die US-Behörden auch nicht verfügen.

Der größte Fehler der Industrie ist das Ignorieren der regionalen und geopolitischen Dynamiken. Es ist kompliziert und die Konzernwelt hat für so etwas keine Geduld. Aber was in der Sahel seit der westlichen Intervention in Lybien geschehen ist, gehört zur geopolitischen Analyse. Es wäre natürlich schwer gewesen, den Angriff auf Amenas vorherzusehen, weil es weniger um die Ereignisse in Mali geht, sondern eher um einen internen Konflikt um die Führung des Sahel-Dschihads. Nichtsdestotrotz wäre es einfach gewesen, eine drängende Gefahrensituation vorherzusagen, von Libyen durch die Sahel bis hin nach Syrien.

Der Fokus liegt nun fast ausschließlich auf Algerien, dabei hatte die Entscheidung auf das algerische Gasfeld nichts mit Algerien oder der Energiewirtschaft des Landes zu tun. Algerien ist ein viel sichereres Pflaster und die Sicherheitskräfte sind um einiges stärker als in den Nachbarländern.

Der Schlüssel, um das tatsächliche Sicherheitsrisiko für westliche Energiekonzerne einzuschätzen, ist das Verständnis darüber weshalb man auf das BP-Feld abzielte. Zwei wichtige Figuren leiten Dschihad-Operationen in der Sahel und sie kämpfen um die Führung. Die Gruppe hinter dem Angriff auf Amenas wählte Algerien wegen der geographischen Lage (Amenas liegt in der Wüste und der Zugang von der libyschen Grenze in 100 Km Entfernung ist einfach). Man sendete eine Botschaft an Frankreich wegen der Invasion Malis und eine Botschaft an die rivalisierende Dschihad-Führung.

In dieser spektakulären Attacke wurden über 700 Geiseln genommen. Keine einzige wurde hingerichtet, rund 30 Tote gab es in folge der Rettungsoperation durch algerische Sondereinheiten. Die Angreifer sabotierten oder zerstörten nichts von der Anlage. Es handelte sich um einen riesige Propagandaaktion, typisch für Mokhtar Belmokhtar. Sein Rivale, Abdelmalek Droukdel, wird etwas ähnlich Spektakuläres aufbieten müssen, wahrscheinlich nicht in Algerien.

Die Energiewirtschaft sollte nun ihr Augenmerk legen auf Niger, der Ort von Frankreichs Uran-Interessen in Areva, sowie das destabilisierte Libyen. An beiden Orten lassen sich Sicherheitskräfte leicht infiltrieren. In Libyen sind umherziehende Milizen für die Sicherheit verantwortlich deren Loyalität bestenfalls fragwürdig ist. In Niger sind die schwache Regierungsstruktur sowie die grassierende Korruption der Sicherheitskräfte die Probleme.